Sonntag, 5. Januar 2003

Arbeitsgemeinschaft zur Förderung des Schienenverkehrs im
Raum Marburg (A.F.S.) e. V.
Regionalverband von „Pro Bahn & Bus e. V.“

von Mitglied : Peter Stephan

Das ehemalige Bahnhofsgebäude aus den sechziger Jahren und die
angrenzende Lagerhalle in Biedenkopf-Wallau sind nun abgerissen.
Das Gebäude wurde wegen des Rückbaues des Bahnhofs Wallau
bahnbetrieblich seit Oktober 2001 nicht mehr benötigt.
Leider musste die darin befindliche Wartehalle wegen
zunehmender Zerstörung und starker Vandalismusschäden
wenige Monate später auch geschlossen werden.
Ohne Aufsicht kann ein Raum in dieser Form heute
leider nicht mehr auf Dauer geöffnet bleiben,
eine Lösung in Verbindung mit einer anderen Nutzung
fand weder die Bahn noch die Stadt Biedenkopf.
Seitens der Bahn wurde das Gebäude und das Gelände
zum Verkauf freigegeben, ernsthafte Bemühungen dem Verfall
und der Zerstörung durch Vandalismus
entgegenzuwirken wurden von keiner Seite unternommen.
Der immer schlechter werdende Zustand des Gebäudes
während der vergangenen Jahre ließ eine einfache Umnutzung
durch eine Renovierung oder andere bescheidenen bauliche Maßnahmen
nicht mehr zu. Die Versorgung mit Strom, Wasser und Telefon
wurde abgeschnitten, ebenso die Abwasserleitungen.
Schließlich wurde das marode Gebäude und die
Lagerhalle mit der gesamten Grundfläche an einen Privatunternehmer
verkauft.
Einzelne Organisationen bzw. Vereine erarbeiteten Konzepte und
Vorschläge für eine neue Nutzung, diese scheiterten jedoch an der
mangelnden öffentlichen Unterstützung und dem zu erwartenden erheblichen
Arbeitsaufwand verbunden mit hohen Investitionen.
Das zuletzt völlig verkommene Gebäude stellte zunehmend
eine Gefahr dar und der Abriss´wurde unvermeidlich.
Die kurze Geschichte dieses Gebäudes sollte zum Nachdenken anregen:
Vom einst technisch modernsten Bahnhof auf der Strecke
von Marburg nach Siegen mit einem seinerzeit
hochmodernen elektrischem Stellwerk bis zum bitteren Niedergang
waren nur knapp 40 Jahre vergangen.
Auch wenn die Bahnhofsgebäude überflüssig wurden,
so bewegt sich der eigentliche Bahnbetrieb im Personenverkehr,
was die Anzahl der täglichen Fahrten und die Verbindungen betrifft,
auf einem Höhepunkt seit der Streckeneröffnung vor über 110 Jahren.
Auch die Anzahl der Fahrgäste, die täglich die Strecke nutzen
steigt seit Jahren und zeigt die Bedeutung,
die dem Verkehrsmittel Bahn zugemessen werden muss.
Der unverändert belassene Bahnsteig wurde mit zwei Unterständen,
einem Fahrkartenautomaten, einer guten Beleuchtung
und einer überarbeiteten Bahnsteigkante ergänzt.
Die Strecke und die dazugehörigen Bahnsteige
gehören inzwischen zur Kurhessenbahn, die derzeit im Auftrag des
Rhein-Main-Verkehrsverbundes den Fahrbetrieb durchführt und für die
Streckenunterhaltung auf der oberen Lahntalbahn zuständig ist.
Das Zugangebot ist mit einem Stundentakt an Werktagen
von und nach Marburg bzw. alle 2 Stunden
von und nach Erndtebrück /Siegen so umfangreich wie
noch nie seit der Eröffnung.
Auch am Wochenende wird eine gute Zugfolge angeboten,
wobei im Sommerhalbjahr sonntags spezielle Fahrradzüge im
verstärkten Saisonverkehr verkehren.
Dennoch bleibt noch einiges zu tun am inzwischen zum „Haltepunkt“
veränderten einstigen Bahnhof Wallau/Lahn:
Die Bahnsteigkante ist für den Zugeinstieg zu niedrig.
Gerade der Haltepunkt Wallau wird von vielen Schülern,
pro Tag ca. 600, genutzt und hat dennoch keine wirkliche
Modernisierung im Vergleich zu den anderen Bahnsteigen
auf der Strecke erfahren.
Auch das unmittelbare Umfeld mit einem teilweise unbefestigten
und unbeleuchteten Bahnsteigzugang ist kein Zustand
für eine heutige Bahnstation.
Auf Beschwerden und Nachfragen bei den Verbünden (RNV /RMV)
und der Kurhessenbahn sind dort weder ein Neubau noch eine
Modernisierung geplant. Diese wäre aber nach Ansicht des AFS und
Pro-Bahn & Bus Hessen dringend erforderlich.
Das Gefahrenpotenzial entsteht besonders für die aussteigenden
Schüler wegen der sehr hohen Einstiegshöhe von ca. 30 cm
vom Zug zur Bahnsteigkante.
Kleinere Unfälle am Bahnsteig während der letzen Jahren
führten zu vielen Elternbeschwerden.
Auch ist der AFS der Meinung, dass die Übergangslösung,
die Bahnsteigkante zum Zug hin mit einem nichtrostenden
Riffelblech zu stabilisieren, nicht wintertauglich ist.
Die einzig vernünftige Lösung stellt ein Neubau
mit aktuellem Standard, ähnlich den Lösungen in
anderen Bahnhöfen der Strecke dar, nämlich die Möglichkeit
des niveaugleichen Übergangs vom Bahnsteig in den Zug.
Ergänzend dazu hat der AFS an den zuständigen RNV
des Kreises auch die Forderung gerichtet
eine direkte Busanbindung unmittelbar neben dem Gleis
und eine Neugestaltung des Zugangsumfeldes
in Richtung Bahnhofsstraße und Ortsmitte zu schaffen.
In diesen Bereichen steht noch ausreichend Gelände zur Verfügung,
das allerdings zur Zeit der Bahn gehört.
Da jedoch die Stadt Biedenkopf für die Sicherung der Zuwege
zuständig ist, erwartet der AFS von dieser Seite
im Interesse der Sicherheit der Fahrgäste
ein deutlich stärkeres Engagement als bisher.
Im Rahmen des zur Zeit neu zu erstellenden NVP
(Nahverkehrsplan Marburg-Biedenkopf) für die Jahre 2011 bis 2016
hat der AFS diesbezügliche Wünsche in die entsprechenden Gremien
eingebracht. Nur so bietet sich die Chance für eine
zukunftsorientierte Gesamtlösung.
Es bleibt zu hoffen, dass alle Beteiligten,
Bahn, Verkehrsverbünde, Landkreis, Stadt und das Land Hessen,
die Mängel einsehen und eine baldige angemessene Lösung
auf den Weg bringen.

Photo vom Abriss: s. Label "Photos"
 

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